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Das 19. Jahrhundert unter den Preußen

Nach Abschluss des Wiener Kongresses gehörte Nieder Kostenz zu Preußen.
Als Folge der Revolution von 1848 erhielt Preußen eine neue Verfassung. Damit wurde das Dreiklassenwahlrecht eingeführt. Der Bürgermeister und der Gemeinderat wurden nicht mehr ernannt, sondern von den Männern der Gemeinde gewählt.
Das Dreiklassenwahlrecht begünstigte die reicheren Bürger; die Stimmengewichtigkeit richtete sich nach der Steuerkraft.

Am Feldzug von 1866 nahmen 6 Nieder Kostenzer teil, am Krieg 1870/1871 gab es 8 Nieder Kostenzer Teilnehmer.
Keiner von ihnen wurde verwundet oder getötet

Die Zeit nach diesem Krieg wird auch mit Recht „die Gründerzeit” genannt . So wurde 1871 der Kirchberger Spar- und Darlehnskassenverein gegründet, dessen Mitbegründer und späterer Vorsitzender, der Nieder Kostenzer Philipp Quaer II. war.
In Kirchberg gründete man das erste landwirtschaftliche Casino.
Am 28.10.1871 wurde in Simmern die neu gegründete landwirtschaftliche Winterschule eröffnet, deren Unterricht noch in einem angemieteten Lokal stattfand. Wegen fehlender Verkehrsverbindungen mussten die etwas weiter beheimateten Schüler in Simmern in Kost und Logis gehen, so das man einschließlich Schulgeld und Unterkunft mit 70 bis 80 Talern Auslagen rechnen musste. Ein hoher Betrag, wenn man bedenkt, dass der Zentner Roggen noch keine 4 Taler kostete.
Die Weidewirtschaft, in der das Vieh vom Hirten im Wald und auf der Heide gehütet wurde, ging um die Jahrhundertwende zu Ende. Es gab aber nicht nur einen bezahlten Hirten, es existierte in unserem Ort auch eine Hirtenscheune. Sie war der Vorgänger des Stierstalles. Diese alte Hirtenscheune, die in den Jahren 1901 und 1902 zum Stierstall umgebaut wurde, hatte bis 1894 ein Strohdach.

Im Jahr 1875 gab es infolge eines Wolkenbruchs im Kyrbachtal eine riesige Überschwemmung. Die Brücke im Dorf wurde schwer beschädigt, die Brücke an der Provinzialstraße wurde teilweise fortgerissen.

Im Jahr 1895 wurde für die Gemeinde das Grundbuch angelegt.

Wie auf vielen Dörfern des Hunsrücks wurde auch in Nieder Kostenz am 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am 22.03.1897 eine Kaisereiche gepflanzt. Als Standort wählte man einen Platz am alten Dillendorfer Weg. Im Zentrum eines Kreises von ca. 15 bis 20 Metern Durchmesser, der von Tannen umgrenzt war, steht sie noch heute.

Die 5. Compagnie der Bürgermiliz

Nachdem die Preußen nach dem 2. Pariser Frieden endgültig die Herrschaft über die gesamte Rheinprovinz übernommen hatten, begann für den Hunsrück eine Zeit, die mit viel Unsicherheit verbunden war. Die Bevölkerung hatte Angst vor neuen Kriegen, auch fürchtete man, dass der Zehnte wieder eingeführt werden könnte.

Nach Beginn der Machtübernahme durch die Preußen wurde in jedem Departement eine Miliz von 109 Mann gebildet und eine Landwehr aufgestellt. In Simmern unterhielt die preußische Regierung zur Sicherheit ihres Grenzgebietes eine Garnison. Das Bataillon bestand aus 5 Compagnien von je 102 Mann und insgesamt 15 Offizieren.

Die Mairie (Bürgermeisterei) Nieder Kostenz gehörte wie auch die Dörfer Reckershausen, Ober Kostenz, Metzenhausen und Todenroth zur 5. Compagnie.

Am 10.10.1819 wurden alle Gemeinderäte und Schöffen sowie die hohen Offiziere der einzelnen Compagnien aufgefordert, im Büro der Bürgermeisterei zu erscheinen, um die Bürgermilizrechnung abzuhalten.
In der Gemeinde Nieder Kostenz gab es demnach 6 Lanzen, 3 Hirschfänger, 1 Säbel und 2 Patronentaschen. Außerdem gehörten 7 Trommeln zur Ausrüstung der Soldaten.

Gemeinde Nieder Kostenz

Harald Gewehr
Oberdorf 2a, 55481 Nieder Kostenz

Tel. 06763 - 30 77 47
info@niederkostenz.de