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Das 20. Jahrhundert

Anfang des Jahrhunderts

Gemeinde- Viehwaage erbaut 1905 verkauft 1986

Anfang des 20. Jahrhunderts hielt die Technik langsam Einzug in die Dörfer. Die schwere Drescharbeit mit dem Flegel war schon größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts von der Göbelmaschine abgelöst worden. Um die Jahrhundertwende tauchten dann, zunächst vereinzelt, Mähmaschinen auf. Die schwere Knochenarbeit der Sensenmaht ging zu Ende. Mit einer Zusatzeinrichtung, der Handablage, war es möglich, Getreide zu mähen. Die Mähmaschine brachte nicht nur eine große Arbeitserleichterung mit sich, es wurden nun auch etliche Arbeitsstunden eingespart. Es war jetzt in der Heuernte nicht mehr erforderlich, nachts um 3ºº Uhr aufzustehen, damit man mit dem Mähen des nassen Grases morgens um 8ºº Uhr fertig war. Die Nacht war um ein bis zwei Stunden länger geworden, menschliche Arbeitskraft wurde durch Technik ersetzt.

Im Jahre 1905 schaffte die Gemeinde eine an; Ende 1986 wurde sie verkauft, da das Schlachtvieh tot vermarktet, d.h. auf Schlachtgewicht verkauft wurde - die Viehwaage war unrentabel geworden.

Am 20.06.1906 wurde im Hause des Schmiedes Friedrich Klein eine öffentliche Fernsprechanlage installiert. Die Gemeinde bezuschusste diese Einrichtung.

Der 1. Weltkrieg

37 Männer aus Nieder Kostenz mussten am 1. Weltkrieg teilnehmen.
Zwei davon sind gefallen, Einer ist vermisst.

Der Krieg mit all seinen Strapazen, seinen Kämpfen, seiner Lebensbedrohung, seinem Hunger und all seinen Widerwärtigkeiten war für die Männer, die Soldat waren, eine harte Sache. Nicht minder hart war es für die Frauen des Dorfes. Die Arbeitskraft der eingerückten Männer fehlte in der Landwirtschaft. Mit Hilfe der Kinder und der Alten musste man sehen, wie man damit fertig wurde. Die Angst vor den Todesnachrichten war ständiger Begleiter.

Durch die staatliche Zwangsbewirtschaftung der Lebensmittel mussten die landwirtschaftlichen Erzeugnisse -bis auf ein Minimum für den Eigenbedarf- abgeliefert werden. Diese Ablieferung wurde polizeilich kontrolliert. Dabei kam es zu Haus- und Scheunendurchsuchungen, um die „stillen Reserven” aufzudecken. Aus Kartoffeln, Brot, Milch und Gemüse bestanden die kargen Mahlzeiten der Dorfbewohner. Aber sie brauchten nicht zu hungern, sie wurden alle satt.

1916 gab es eine Kartoffelmissernte. Schuld daran war die Krautfäule, die man damals noch nicht bekämpfen konnte. Man war gezwungen, auf die Kohlraben zurückzugreifen, um eine Hungersnot zu verhindern.

Als 1918 die Westfront zusammengebrochen und der Krieg verloren war, bekam unser Dorf mehrmals Einquartierungen von deutschen Truppen auf dem Rückzug. Ab Dezember kamen amerikanische und später französische Truppen. Die Amerikaner waren gut verpflegt, so dass es keine Beanstandungen gab. Bei den Franzosen ging es etwas freier zu, es wurden Lebensmittel beschlagnahmt. Mit Ausnahme von ein paar gestohlenen Hühnern gab es aber keine größeren Zwischenfälle.

Nach Abzug der Franzosen war für Nieder Kostenz der Krieg zu Ende. Es herrschte wieder Frieden, nach dem sich die Bewohner vier Jahre lang gesehnt hatten.
1933 wurde das Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen des 1. Weltkrieges errichtet.

Die Zeit zwischen den Kriegen

Mit Ende des Krieges begann eine arme Zeit. Der Staat konnte die vielen Schulden und Anleihen, die er im Krieg angehäuft hatte, nicht zurückzahlen. Es wurde Papiergeld gedruckt, damit die Verwaltung bezahlt werden konnte. Dadurch verlor das Geld täglich an Wert. Schließlich erreichte 1923 die Inflation ihren Höhepunkt. 1 Billion Papiermark war nur noch soviel wert wie eine Goldmark. Die Währung wurde umgestellt, von nun an hieß sie: Rentenmark.

Das Jahr 1923 hat aber auch etwas Gutes für unser Dorf gebracht: In diesem Jahr kam die Elektrizität in unsere Gemeinde. Die Elektrizität war eine Entwicklungsstufe von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Nicht nur, dass man jetzt im Haus und in der Scheune ein helles Licht hatte, auch der Elektromotor brachte große Vorteile.
Die alten Göbelwerke, die von Pferden, Ochsen und Kühen gezogen wurden, hatten ausgedient. Der Antrieb der Dreschmaschinen mit Elektromotoren war viel leistungsfähiger, die Dreschmaschinen bekamen eine höhere Stundenleistung. Der Viehtreiber am Göbel wurde außerdem eingespart.
Bald trieben die Elektromotoren auch die Krutzmaschinen, die Kreissägen und die Heuaufzüge an. Zum Ersten mal wurden menschliche und tierische Arbeitskräfte durch Energie ersetzt. Da aber das Geld nach der Inflation sehr knapp war, dauerte es noch eine ganze Weile, bis alle Bewohner sich einen Motor leisten konnten.

In den 20er Jahren gab es so gut wie keine Industrie in unserer Gegend. Die Menschen aus Nieder Kostenz ernährten sich noch zum größten Teil aus der Landwirtschaft. Außer ein paar Handwerkern, wie Schuster, Maurer, Schmied und Müller waren alle auf die Landwirtschaft angewiesen. Im Winter konnte man sich in 4 - 8 Wochen als Holzhauer etwas Geld hinzu verdienen.
Als erste Industrie im Umkreis kann man die Sägewerke anführen. Sie waren schon mit Dampfmaschinen ausgerüstet, die mit Holzabfällen und Sägemehl befeuert wurden.

1928/1929 gab es einen sehr strengen Winter, sogar der Rhein war zugefroren. Es lag viel Schnee. An manchen Stellen war die Wasserleitung im Boden zugefroren. Die damals beginnende Weltwirtschaftskrise machte sich auch bei uns im Ort bemerkbar. Es gab zu dieser Zeit hier die ersten Arbeitslosen. Die Zahl stieg von Jahr zu Jahr. Mit ein paar Mark, dem so genannten Stempelgeld, wurden die Arbeitslosen unterstützt. Ende der 20er Jahre wurde die Notstandsarbeit eingeführt. Das Stempelgeld gab es nicht mehr umsonst, man musste nun dafür arbeiten.

In Nieder Kostenz hat man als Notstandsarbeit im „Knüppchen” Steine gebrochen. Damit wurden der Metzenhausener- und der Eselsweg bei der Schlemmersmühle erstmals gestückt. Das Setzen der Packlage (Gestück) wurde in der Fron, also ohne Bezahlung, durchgeführt. Jeder Landwirt musste entsprechend seiner Betriebsgröße Klopfsteine abliefern. Diese wurden zusammen mit Sand über das Gestück eingeworfen. Eine mit Wasser gefüllte schwere Straßenwalze, die von vier Ochsen gezogen wurde, walzte das Ganze dann fest.

1930 gab es eine betriebswirtschaftliche Änderung für die Landwirtschaft.
Bisher wurde die Milch in allen Bauerndörfern selbst zu Butter verarbeitet. Auf Initiative von Bürgermeister Dr. van Spankeren gründete man am 30.11.1928 im Saale Bohn in Kirchberg die Kirchberger Molkerei. Nach etwas mehr als einjähriger Bauzeit konnte am 27.01.1930 der Betrieb aufgenommen werden. Außer dem Verkauf von etwas Frischmilch, verarbeitete die Molkerei die meiste Milch zu Butter. Mit einem Pferdefuhrwerk wurde die Milch frühmorgens im Dorf abgeholt und zur Molkerei gefahren. Die Magermilch lieferte der Milchfahrer gegen Mittag wieder zurück.

1970 schlossen sich die Molkereien Kastellaun, Ohlweiler und teilweise Kirchberg zum Milchwerk Hunsrück mit Sitz in Kastellaun zusammen. Die meisten Nieder Kostenzer Milcherzeuger dagegen gingen mit der Molkerei Erbeskopf in Thalfang einen Vertrag ein. Am 01.10.1990 hat das Milchwerk Erbeskopf in Thalfang das Milchwerk Kastellaun durch einen Fusionsvertrag übernommen. Zwei Jahre später, 1992, wurde das Werk Kastellaun geschlossen.

Nach 1933 wurde der Rundfunk ausgebaut. Auch die ersten Motorräder und Autos störten die ländliche Idylle. In der Zeit von 1934 - 1939 wurden "In der Hoh" drei Steinbrüche angelegt. Da das Bachbett des Kyrbaches und das Bett der Nebenbäche sowie ein Teil der Feldwege gestückt wurden, war ein großer Bedarf an Bruchsteinen entstanden. Die Qualität der Bruchsteine war sehr gut.

Die Gemeinde Nieder Kostenz schaffte zusammen mit Dillendorf und Hecken im Jahre1939 eine Gemeinschaftskartoffeldämpfanlage an.

Der 2. Weltkrieg

42 Nieder Kostenzer haben am 2. Weltkrieg teilgenommen.
Viele der Einberufenen sind nicht mehr heimgekehrt, 11 Nieder Kostenzer sind gefallen.

Bereits am 02.09.1939 wurde die Zwangsbewirtschaftung eingeführt (Lebensmittelkarten). Ende November 1939 bekam unser Dorf mehrmals Einquartierungen. Die letzte Einquartierung, eine Hamburger Nachschubeinheit, blieb über Winter. Es waren Heeresverbände, die von Polen kommend an die Westgrenze verlegt wurden.
Im ersten Kriegswinter war eine saarländische Bauernfamilie aus dem Vorfeld des Westwalls einquartiert. Nach Beendigung des Frankreichfeldzuges kamen 13 französische Kriegsgefangene ins Dorf. Sie wurden den landwirtschaftlichen Betrieben als Arbeitskräfte zugeteilt, in denen die Männer eingerückt waren. 1942 kamen noch fünf russische und zwei polnische Mädchen als Arbeitskräfte ins Dorf.
1939 - 1940 wurde eine Brückenwache an der Eisenbahnbrücke eingerichtet.

Schwere Bomberverbände waren ab 1944 immer häufiger am Himmel zu sehen. Zweimal haben sie auch bei uns Bomben abgeworfen. Am 19.07.1944 sind in "Alwies" 6 Bomben gefallen, ohne dass dabei jemand zu Schaden kam. Am 08.09.1944 wurden 6 schwere Bomben gezielt auf die Eisenbahnbrücke geworfen, ohne sie jedoch zu treffen. Ab Herbst 1944 wurden die Eisenbahn und die Bahnbrücke öfter von Jagdbombern angegriffen. Am 06.10.1944 haben 4 Jagdbomber die Brücke wieder erfolglos angegriffen. Von den acht abgeworfenen Bomben fielen zwei auf den Bahnhof. Das Wartehäuschen wurde dabei schwer beschädigt. Als Anfang 1945 die Bahnbrücke abermals angegriffen wurde, fiel eine Bombe auf den ersten Brückenbogen. Er wurde schwer beschädigt und ist später erneuert worden.
In den letzten Kriegstagen wurde ein amerikanischer Jäger von der deutschen Flak abgeschossen. Er ist im Wald „Brauschied“ abgestürzt.
Als die Amerikaner im März 1945 von der Mosel aus über den Hunsrück vorrückten, blieb Nieder Kostenz vom Durchmarsch verschont.
Die Bundesstraße B50 zwischen Nieder Kostenz und Kirchberg lag zeitweise unter Artilleriebeschuss der Amerikaner. In Nieder Kostenz selbst sind keine Granaten eingeschlagen.
Die Amerikaner lösten die deutschen Verwaltungen auf. Die neuen Verwaltungsorgane wurden kommissarisch ernannt. Nieder Kostenz gehörte anschließend zur französischen Zone.

Nachkriegszeit

Im Herbst 1946 fand die erste Gemeinderatswahl nach dem Krieg. Am 20.06.1948 wurde eine Währungsreform durchgeführt: 100 RM wurden auf 10,- DM umgestellt. Die Zwangsbewirtschaftung wurde abgeschafft und die soziale Marktwirtschaft eingeführt. Damit leitete man einen wirtschaftlichen Aufschwung ein, wie man ihn nicht für möglich gehalten hätte. Die Währungsreform war die Geburtsstunde des deutschen Wirtschaftswunders.

Nieder Kostenz war 1948 noch ein Ort mit kleinbäuerlicher Struktur. Bedingt durch die jetzt durchgeführte Umlegung konnte intensiver und produktiver gewirtschaftet werden. Forciert wurde das Ganze noch durch die einsetzende Mechanisierung.
Nach Kriegsende war in den zerbombten Städten der Wohnraum knapp geworden. Dazu kamen noch Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten.
Um dem entgegen zu wirken, beschloss die Gemeindevertretung, ein „Flüchtlingshaus“ zu bauen. Baubeginn war der Sommer 1952. Ein Jahr später war das Haus mit zwei Wohnungen bezugsfertig. 1953 wurde im Dachgeschoß eine dritte Wohnung eingebaut.

Zu Beginn der 60er Jahre wurde eine neue Satzung über Gemeindedienste beschlossen, durch die die Fronarbeit abgeschafft wurde. Nach 13 Jahren Pause fand im Jahre 1961 wieder eine Kirmes statt. Veranstalter war der Männergesangverein.

Zwischen 1966 und 1975 wurde die Verwaltungsreform durchgeführt. Die alten Verwaltungseinheiten, die Regierungsbezirke, die Kreis- und Verbandsgemeinden wurden aufgelöst und zu neuen, größeren Einheiten zusammengefasst.
Der Kreis Simmern vergrößerte sich bis an den Rhein. Er wurde am 07.06.1969 in Rhein Hunsrück-Kreis umbenannt. Simmern blieb weiterhin Kreisstadt. Aus den meisten Dörfern der alten Ämter Kirchberg, Gemünden und Büchenbeuren wurde die neue Verbandsge-meinde Kirchberg gebildet. Für unseren Ort Nieder Kostenz hat sich nichts geändert. Der Sitz der Verwaltung war für uns wie immer in Kirchberg bzw. Simmern.

Ausbau B50

In den Jahren 1989-1991 wurde der Ausbau der B 50 mit Ortsumgehungen für Kirchberg, Sohren und Büchenbeuren durchgeführt. Für unser Dorf hatte diese Maßnahme tief greifende landschaftliche Veränderungen im Bereich Mühlenweg zur Folge.
Durch die Aufschüttung eines Dammes wurde die Schlemmersmühle vom Ort getrennt, und findet sich nun zwischen dem Damm der B 50 und der Eisenbahntrasse wieder.

Anfang der Neunziger Jahre hat die Gemeinde durch die Erschließung eines Baugebietes nach längerer Zeit für die Bewohner die Möglichkeit geschaffen, in Nieder Kostenz neu zu bauen. Bis dahin war es üblich, dass eines der Kinder das Elternhaus übernommen hat, während die übrigen Kinder in Nachbarorten sesshaft wurden.

Gemeinde Nieder Kostenz

Harald Gewehr
Oberdorf 2a, 55481 Nieder Kostenz

Tel. 06763 - 30 77 47
info@niederkostenz.de